Film 2017

Deutschland

Liebe Unterstützer des Trio for Rio,

wir haben unser Crowdfundingziel/unsere Zielsumme bei Indiegogo leider nicht erreicht. Auf Euren Paypal-Konten müsste Euer Unterstützungsbetrag bereits wieder eingegangen sein.

ABER: den Film wird es im neuen Jahr trotzdem geben!

Sehr viele Unterstützer haben bereits zugesagt, dass sie den Film unbedingt sehen wollen, auch wenn wir nun auf eine Produktionsfirma, die englischen und spanischen Untertitel, sowie auf eigens komponierte Musik wohl verzichten müssen.

Thomas Köke, der bereits die Trailer geschnitten und den besten Überblick über unser Rohmaterial hat, wird nun auch den gesamten Film produzieren. Er arbeitet an der Hochschule Bremen und bildet dort TV-Journalisten aus. Auf uns war er gestoßen, weil er selbst irgendwann mit dem Fahrrad nach Brasilien fahren will und er hat unseren Blog während der Reise regelmäßig verfolgt. Wir freuen uns, dass er diese Mammutaufgabe übernimmt! Danke Thomas!

Die Inhalte Eurer gewünschten „Perks“ (Eure bestellten Download-Links, DVD’s, BlueRay’s, Erwähnung im Abspann etc.) der Indiegogo-Kampagne gelten selbstverständlich weiterhin. Eure Lieferadressen liegen uns vor.

Wer noch keinen Film bestellt hat kann das gerne machen! Bitte 25 Euro auf unten genanntes Konto überweisen und eine kurze Mail (mit Name und Lieferadresse) an: mail@trioforrio.com!

Betrachtet die Unterstützungssumme nun jedoch als feste Bestellung!

Wir werden den Film fertigstellen! Allerdings kann es nun bis Juli dauern.

Bitte überweist Eure Unterstützungssumme mit dem Verwendungszweck: „Film Trio for Rio“ auf folgendes Konto:

Julian Schmieder
IBAN: DE98 7015 0000 0000 373019
BIC: SSKMDEMMXXX
Stadtsparkasse München

Oder aber per Paypal an folgende E-Mail-Adresse: julian.schmieder@gmx.de

Vielen, vielen Dank, dass Ihr den Film, nun möglich macht,

Euer Trio for Rio.

FINALE: Deutschland – BaWü – Bayern

Deutschland, Österreich
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Kein Zelt aufbauen, wir geniessen die Zeit zuhause.

Wir geniessen die Zeit bei unseren Eltern und Freunden in unserem Heimatort Rottenburg-Hailfingen. Endlich muss das Zelt nicht jeden Tag aufgebaut und der Gaskocher rausgeholt werden, Wiedersehensfreude ist angesagt. Viele neugierige Fragen werden uns gestellt und wir nehmen uns die Zeit, schliesslich haben wir allerhand erleben dürfen. Die Unterstützung aus der Heimat war in den letzten 18 Monate enorm hoch und wir bedanken uns nochmals für den tollen Empfang, die Geschenke und die lieben Worte. Es ist eine fantastische Heimkehr und wir stellen die Räder gerne mal ein paar Tage in die Ecke, die Beine danken es uns. Ein richtiges Bett, eine warme Dusche, was für ein Luxus.

Zeitgleich mit unserer Rückkehr geht auch unser Filmprojekt online, jeder darf ein Teil dieses Films werden und uns unterstützen. Wer sich eine DVD, eine BlueRay oder einen Download-Link sichern möchte kann dies gerne machen, wir freuen uns und brauchen viele Gönner. Wer gar seinen Namen oder den seiner Firma im Abspann sehen will kommt auch auf seine Kosten, hier der Link: DVD bestellen oder spenden!

Vielen Dank für Eure Unterstützung.

Unsere Rückkehr hat sich in Windeseile herumgesprochen, zahlreiche Zeitungen aus unserer Heimatregion berichten über uns, hier der Link zum Artikel des „Schwäbischen Tagblatts“.

Auch der „Schwarzwälder Bote“ lies sich nicht lumpen und hat eine Reporterin nach Tübingen geschickt, welche folgenden Artikel über unsere Tour veröffentlichte.

Ein Radioteam von „Das Ding“ hat uns fleissig interviewt und gefilmt, hier das fertige Interview mit Film:

Bei „Radio ENERGY“ sind wir in Ludwigsburg zu Gast auch auch die Kollegen vom „Radio Neckaralb Live“ aus Reutlingen laden uns ins Studio ein. Die Sendungen werden jeweils über eine Stunde aufgezeichnet. Eine tolle Erfahrung in so einem riesigen Radio-Studio zu stehen, es war uns eine, nicht alltägliche, Freude und hat mächtig Spass gemacht.

Das definitiv größte Highlight bei unserer Rückkehr ist allerdings unser Besuch beim SWR in Stuttgart. Dort berichten wir, zur besten Sendezeit, live in der „Landesschau“ von unserer kleinen  Rundreise durch 29 Länder.

Eine spannende, aufregende Ankunft wurde uns also bereitet, das Interesse hat uns überrascht und ehrt uns.

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Zu Besuch bei Angela. Sie ist auch mit dem Rad zu Olympia 2016 gefahren.

Nachdem wir alle Medientermine abgearbeitet haben springen wir gerne wieder aufs Fahrrad, die letzte Etappe steht an. Wir verlassen Baden-Württemberg und radeln, bei herrlichem Herbstwetter, in Richtung Bayern. Sonthofen liegt im schönem Allgäu und ist die Heimat von Angela Buhl und ihrer Familie. Angela haben wir bereits in Rio kennenlernen dürfen, Angela radelte alleine über 26.000Km bis nach Rio. Andere Route, gleiches Ziel: Olympia 2016 in Rio de Janeiro! Wer mehr über Angelas Reise wissen möchte findet diese unter www.holario.de . Wir haben jedenfalls größten Respekt vor Angela und ziehen den Hut vor ihrem Willen und ihrer Leistung.

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Kühe und Pferde treffen zwei Drahtesel.

Bei wunderbaren Herbstwetter strampeln wir also durch das beschauliche Allgäu, die Kühe stehen mit ihren Kuhglocken wie gemalt auf der saftigen Weide und das Bergpanorama bestätigt jedes Bayern-Klischee. Eher zufällig landen wir in unserem Reiseland Nr. 30, Österreich liegt plötzlich auf der Route. Die Alpen-Republik lässt und ganz schön schwitzen, aber nach circa 7000 Kilometern in diversen Anden-Ländern haut uns nichts mehr um. Für geschlagene 4 Stunden bekommen wir einen kurzen Einblick ins Land unserer Nachbarn, am Abend sind wir bereits wieder in Deutschland.

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Wir übernachten bei Sylvia und ihrem Sohn Tobias! Vielen Dank.

In Schwangau fragen wir bei Familie Schweiger ob wir in der Garage, Scheune, Dachboden oder einfach im Garten schlafen dürfen. „Nein, geht leider nicht. Wir beherbergen unsere Gäste anständig!“. Statt Garage oder Dachboden bekommen wir die Ferienwohnung angeboten, der Ausblick ist der absolute Wahnsinn und wir zögern keine Sekunde. Wir schlafen also im „Haus Schweiger“ mit Blick auf das weltberühmte Schloss Neuschwanstein. Von den herzlichen Schweiger’s sind wir schwer beeindruckt, nicht nur zum übernachten werden wir eingeladen auch das Abendessen mit der gesamten Familie wird uns spendiert. Wer mal eine nette Ferienwohnung  und tolle Leute in Schwangau sucht ist hier genau richtig, der Ausblick auf eine Top Attraktionen Deutschlands ist die Anreise wert. Mehr Infos unter: silviaschweiger-fewo@gmx.de.

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Wir schlafen im Feuerwehrauto. Das gab es auf unserer Reise noch nicht.

Die nächste Station heisst Oberhausen, es geht durch das bayrische Voralpenland. Wälder, Täler, Hügel und herrliche Seen begleiten uns. Die letzten Tage unserer Reise geben uns von Allem etwas, Dank eines goldenem Herbsts ein toller Abschluss. In Oberhausen feiern wir mit Uta ihren 50. Geburtstag, Uta ist ein grosser Fan unserer Reise und inzwischen eine gute Freundin. Es wird kräftig und doppelt gefeiert, gleichzeitig wir Nico 28.zig und wir bekommen nochmals einen ungewöhnlichen Übernachtungsort. Wir schlafen in einem Oldtimer-Feuerwehrauto, die anderen Geburtstagsgäste ziehen sich ins Hotel zurück. Uns reicht um glücklich zu sein ein Parkplatz und ein nostalgisches Auto. Es sind eben doch die kleinen Dinge im Leben.

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Nach 554 Tagen sind wir zurück in München.

Am 554 Reisetag heisst es endgültig „Thats it!“ Nach 554 Tagen, 32417km und 1783,87 Stunden im Sattel sind wir wieder zurück im herbstlichen München. Nach 30 Ländern schliesst sich, in der Preysingstrasse 19 in München-Haidhausen, der Kreis endgültig. Hier sind wir gestartet und hierher sind wir auch wieder zurückgeradelt. Wir können es kaum glauben, waren wir wirklich 18 Monate weg? Viele Freunde und Bekannte erwarten uns, auch „Radio-Arabella“ und ein Filmteam begrüßten uns direkt vor der Haustüre. Mit durchschnittlich 7.53€ p.P./Tag war Deutschland extrem günstig, viele Menschen haben uns die Türen geöffnet und hiessen uns herzlich willkommen, damit ist Deutschland eines unserer billigsten Reiseländer.

Danke an alle die live in München vor Ort waren und mit uns noch den Irish Pub unsicher gemacht haben. Danke auch an die zahlreichen Glückwünsche welche wir via Mail, Facebook oder Telefon bekommen haben.

Kommenden Samstag, den 5.11.2016 sind wir um 18h live bei Radio „HiServus“ auf Frequenz 94.5 zu hören, mehr Infos auf www.m945.de

Nächsten Donnerstag, den 10.11.2016 sind wir, ab 18h, live in der „Abendschau“ des Bayrischen Rundfunks (BR) zu sehen. Ein Highlight jagt das nächste! Schaut’s mal rein!

Bitte denkt auch an unser Filmprojekt. Bitte beachtet, ihr könnt einen Film realisieren. Es liegt an Euch!!! Sollte die Summe für den Film nicht zustande kommen, fliesst Eure Spende 1:1 an Euch zurück! Euer Risiko ist also sehr gering, hier nochmals der Link: DVD bestellen oder spenden!

Es war uns eine Ehre Euch von unserer Reise zu berichten. Das Leben spielt sich draussen ab und im Idealfall auf dem Fahrrad. Danke für Eure tolle Unterstützung auf unserer Reise. Danke auch an unsere Sponsoren welche uns mit tollen Produkten ausgestattet haben. Ein Film wäre die Krönung, es lohnt sich!

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Julian geniesst den Ausblick. Was eine Reise.

Wir berichten weiter regelmässig auf www.trioforrio.com, dort gibt es laufend Neuigkeiten zum Filmprojekt, auch auf Facebook findet Ihr uns wie gewohnt unter „Trio For Rio“. Danke für’s teilen unserer Beiträge und weiterleiten unserer Emails, vielleicht habt ihr ja noch einen Geheimtipp wer als potenzieller Sponsor des Films in Frage kommt. Wir würden uns über ein Feedback freuen!

Bleibt sportlich!

Ciao,

Euer Trio for Rio

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Italien II – Schweiz – Deutschland (2) – Schwabenland

Deutschland, Italien, Schweiz
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Der Genfer See in der Schweiz, unser Land Nr. 29.

In Turin muss eine Entscheidung her, die Wolken hängen tief, es regnet und die Temperaturen werden stündlich kühler. Die Schneefallgrenze hatte sich bei knapp über 1000m eingependelt, keine tollen Aussichten auf unsere bevorstehende Alpenüberquerung. Wie es der Zufall so will kommen unsere Eltern gerade mit ihrem Wohnmobil aus dem jährlichen Griechenland-Urlaub. Kurzerhand nehmen die Beiden einen längeren Umweg in Kauf und laden uns samt Rädern ein. Wir werden also über die Alpen chauffiert, wer über 280.000 Höhenmeter in den Beinen hat, darf sich diesen Luxus mal gönnen. Das Felsmassiv der Alpen und die gigantischen Schluchten sind beeindruckend, wir geniessen dieser Eindrücke aus für uns ungewohnter Perspektive, vom Beifahrersitz aus. Am Genfersee haben wir die kritische Region hinter uns und es geht bei, weiterhin kühlen, Temperaturen wieder per Rad weiter durch unser Land Nr. 29.

Nachts wird es sehr kalt, doch Hotels sind viel zu teuer. Deshalb zelten wir.

Gleich die erste Nacht in der Schweizer Wildnis wird eine der kältesten unserer gesamten Reise, der ständige Nieselregen in den folgenden nächsten Tagen macht die Sache nicht besser. Mit steifen Gliedern und tauben Fingern kämpfen wir uns am Genfersee entlang bis Lausanne. Die Schweiz ist unverhältnismäßig teuer, so beschliessen wir absolut low-budget durch die Alpenrepublik zu radeln und möglichst kein Geld auszugeben. Unsere Zeltnächte am kristallklaren Genfersee sind zwar bitterkalt, dafür glitzern die Sterne am Himmel um die Wette. Einen schöneren nächtlichen Ausblick hat man aus den protzigen Villen rund um den See sicher auch nicht.

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Zufällig kommen wir beim IOC vorbei. Begeistert erzählen wir von unserer Reise und stossen auf taube Ohren.

In Lausanne sitzt der IOC (Internationales Olympisches Komitee), mit unserer Geschichte im Gepäck dürfen wir kostenlos ins Olympia Museum. Ansonsten zeigen sich die Anzugträger wenig beeindruckt von unserer Reise zu den Olympischen Sommerspielen 2016, den eher biederen Eindruck und das steife Image des IOC behalten wir daher bei.

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Minus 3 Grad. Warm anziehen und auf die Zähne beißen.

Der strahlend blaue Himmel täuscht etwas, die Luft ist zwar klar aber die Kälte ist schneidend. Wir verabschieden uns vom größtem See der Schweiz mit dem Ziel Bern, der Hauptstadt des Landes. Die Kilometer ziehen sich, der Wind bläst von vorne und die Temperaturen fallen auf zapfige 5-7 Grad, in der Nacht sind wir unter dem Gefrierpunkt. Frederic und Adriana haben Mitleid und nehmen uns für eine Nacht auf, die Schweiz ist zwar teuer, aber die Menschen haben ein großes Herz. In den nächsten Tagen werden wir häufig zum übernachten, zum aufwärmen oder zum Abendessen eingeladen, danke.

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Bern. Eine sehr schöne Stadt. Foto: Stelian Pavalache.

nDie Schweiz macht ihren Klischees alle Ehre. Auf den Weiden bimmeln die Kühe vor sich hin, Käsereien gibt es wie Sand am Meer und es geht natürlich (nur) auf und ab. Ab Bern wir wieder deutsch gesprochen, wir brauchen eine Weile bis wir aufhören automatisch auf Englisch zu antworten. Mit der Schweiz waren wir jetzt übrigens in allen 4 Ländern in welchen Deutschland Fussball-Weltmeister wurde, alle 4 Länder auf dieser Reise, alle wurden mit dem Rad erobert. Andere sammeln Pokemon’s mit ihren Smartphone’s, wir sammeln WM-Sterne mit dem Fahrrad. Mission erfolgreich gemeistert.

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Ranjit Singh Masuta lädt uns zum Essen und Übernachten ein. Vielen Dank.

Die Schweizer beeindrucken uns mit ihrer lockeren Art und ihrem wunderbaren Dialekt. Mit Malika, Cyrille und der bunten Großfamilie von Ranjit Masuta und einer Frau Uma Shakoor haben wir umwerfende Menschen mit z.T. unglaublichen Lebensgeschichten kennenlernen dürfen und hatten jede Menge Spass. Ranjit und seine  Familie retten uns vor einer kalten Regenacht, wir werden in ihr „Hotel Langenthal“ und ihr indisches Restaurant eingeladen, grossartige Menschen treffen wir dort in einem tollem Naturparadies. Julian bleibt sich treu und die Plattfußstatistik wird weiter fleissig ausgebaut, geschlagene 40(!!!) Plattfüsse stehen bereits in der Statistik, Nico liegt gerade mal bei der Hälfte und damit bei 20.

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Deutschland ist in Sichtweite. Hier am Dreiländereck in Basel.

Auf dem Weg nach Basel heisst es: Jacke an, Jacke aus, das Herbstwetter weiss anscheinend selten was es will! Andreas von der Basler-Zeitung lädt uns in seine Stadt ein, seine Frau On-Uma bekocht uns königlich. Die Basler-Zeitung bekommt ein Interview und wir eine tolle Stadttour durch die Altstadt bis hin zum Dreiländereck. Übrigens haben wir es geschafft und in der Schweiz kein Geld liegen lassen. Als Belohnung für uns Durchhaltevermögen gönnen wir uns allerdings am letzten Abend ein Fussballspiel zwischen dem FC Basel vs. Luzern, tolle Stimmung. Erwartungsgemäss gewinnt Basel mit 3-0, so lassen wir kurz vor der deutsche Grenze doch noch Geld liegen, mit umgerechnet 2,14€ p.P/Tag zählt die Schweiz aber zu unseren billigsten Reiseländern. den Artikel der Basler-Zeitung findet man hier: Zeitungsartikel in der BZ

Am Tag 539 radeln wir also wieder über deutschen Boden, die Sonne begrüßt uns mit einem herrlichem Herbsttag. Beinahe könnte man meinen die Heimat hätte uns vermisst und strahlt vor Freude als wir gen gigantischen, aber dennoch gemütlichen Rhein entlang rollen.

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Mit Sonnenschein pur empfängt uns Deutschland wieder.

Die erste Nacht auf deutschem Boden wird natürlich gezeltet, der Sprung in den Rhein ist ein kühle Angelegenheit und wir kriechen sofort in unsere dicken Daunenschlafsäcke. Am nächsten Tag wechseln wir mehrmals zwischen Deutschland und der Schweiz hin und her, je nachdem welche Rheinseite den besseren Radweg bietet. Spätestens als wir unser „Schwäbisches Meer“ bzw. den Bodensee erreichen, wird klar: Wir sind zurück!!!!! Die Heimat hat uns wieder und es gibt auch gleich einen weiteren Grund zu feiern, die 32.000km unsere 20.000Meilen sind voll, was für eine Zahl.

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Das „Schwäbische Meer“, der Bodensee.

In Konstanz werden wir von Jelena mit einem gigantischen Maultaschen-Essen begrüßt, 11 Maultaschen pro Kopf werden verdrückt. Am nächsten Tag gehts zur Tante und Onkel auf die andere Seeseite, wir werden herzlich begrüßt und es ist ein geschichtenreiches Wiedersehen. Auf dem Weg in unsere Geburtsstadt Tübingen warten mehrere Zeitungen auf uns und wollen Details zu unserer „kleinen“ Rundreise wissen. In Sigmaringen werden wir von Timo beherbergt, in Dusslingen übernachten wir bei Yvonne und Daniel nach unserem gratis Haarschnitt von “Rösener Schnittpunkt“ und unsere Schwester begrüßt uns in ihrem Häuschen in Nehren.

Tübingen ist die erste Stadt auf unserer Tour welche wir zweimal besuchen, hier schliesst sich der Kreis. Die Lokalpresse wartet, das SWR-Radio fängt uns vor dem Rathaus ab und von den Radio-Kollegen von „Das Ding“ werden wir interviewt und gefilmt. Weiter geht es nach Rottenburg, hier sind wir zu Schule gegangen, das „Schwäbische Tagblatt“ ist vor Ort und das Eiskaffee „Rino“ spendiert neue Fahrradtrikots und Radelhosen, was für ein Empfang bei Sonnenschein und milden Temperaturen!

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Was ein Empfang. Vielen Dank!

Ganz grosse Kino erwartet und in unserer Heimatgemeinde Hailfingen. Familie, Freunde, Nachbarn und Neugierige erwarten uns in unserer Rosengartenstraße. Die Ortsvorsteherin Sabine Kircher und der Rottenburg Bürgermeister Thomas Weigel beglückwünschen uns, unzählige Hände wollen geschüttelt werden und unsere Geschichte wir bis zur Heiserkeit erzählt. Es ist der absolute Wahnsinn, danke an alle die vor Ort waren, danke für die vielen Leckereien und die wunderbaren Plakate. Es war uns eine Ehre!! Die Party geht bist spät in die Nacht und auch der folgende Samstag wird mit Familie und Freunden durchgefeiert, es ist gleichzeitig Vater’s 66. Geburtstag.

Den Artikel vom Tagblatt gibt es hier.

Wir hatten keine Vorstellung was alles zwischen Tübingen und Rio liegt und passieren wir, jetzt sind wir um eine großartige Erfahrung reicher. Wir sind froh ohne Reiseführer gereist zu sein und wenig über die jeweiligen Länder gelesen zu haben. So haben wir viel mehr über Land und Leute erfahren. Wir waren offen für neues und haben so authentische Einblicke in den Alltag der Menschen bekommen.

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32213 Kilometer. Vielen Dank an euch alle für eure Unterstützung! Helft uns jetzt bei unserem Film-Projekt! Danke.

Wie geht es weiter? Am Dienstag, den 25.10.2016 sind wir um 18.30Uhr live beim SWR in Stuttgart bei der Landesschau. Dort stellen wir auch unser Crowfunding-Projekt vor, unser Traum vom Film lebt und wir brauchen Eure Unterstützung. Danke!!

Danach radeln wir nach München weiter, die Preysingstraße 19 sollten wir am 31.10.2016 gegen 16h erreichen. Wir freuen uns auf Euch!

Danke für den grossartigen Empfang im Schwabenland! Ein Traum, ein Ziel, alles Kopfsache!!!!

Mit sportlichen Grüßen,

Julian und Nico.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Frankreich (2) – Monaco – Italien

Frankreich, Italien, Monaco
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Canal du Midi. Ein traumhafter Radweg.

An Julians 34. Geburtstag verlassen wir Toulouse und verabschieden uns daher auch von unseren Gastgebern Chaty und Alex und der schönen Stadt an der Garonne. Natürlich radeln wir nicht los bevor der selbst gebackene Geburtstagskuchen nicht vollständig aufgefuttert ist, danke auch für die zahlreiche Glückwünsche. Am „Canal du Midi“ geht es ab Toulouse weiter, unser Ziel das Mittelmeer. Wir zelten bei wunderbaren Sonnenuntergängen am Kanal und bestaunen dabei die unzähligen grossen und kleinen Boote welche gemütlich vor sich hin tuckern und in der Dämmerung verschwinden. Tagsüber geht es immer am Kanal entlang, der Radweg unter den alten Bäumen ist eine tolle Strecke und jede Menge Sehenswürdigkeiten liegen links und rechts des Weges. In Carcassonne steht z.B. das vermutlich schönste Schloss Frankreichs, diese guterhaltene Burganlage ist uralt und einen Stop wert und wir fühlen uns wie Ritter im Mittelalter. Allerdings reitet der Ritter von heute keine Pferde mehr sondern bevorzugt den TX-1000 Drahtesel der VSF-Fahrradmanufaktur aus Oldenburg. Die gesamte Burg- Schlossanlage gehört längst, genau wie auch der Canal du Midi, zum UNESCO-Weltkulturerbe, eine verdiente Auszeichnung wie wir finden.

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Nico vor dem Schloss in Carcassonne.

Langsam setzt auch in Frankreich der Herbst ein, die Blätter fallen bunt vom Himmel und je nach Sonnenstand fahren wir durch eine Welt aus tausendundeiner Farbfacette, sehr entspannend und gemütlich. Auch an den zahlreichen Schleusen des Kanals stehen wir gerne und beobachten die Boote und die Arbeit der Schleuser an den zig Staustufen, auch eine interessante Art seinen Urlaub zu verbringen. Die Boote können gemietet werden und so treffen wir viele bunte Vögel auf oder am Kanal.

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Bunter Ort in Südfrankreich.

17 Monate waren wir am 27. September unterwegs, zum Jubiläum haben wir Rückenwind und lassen uns treiben. Dank der vielen kleinen Dörfer, Klöstern, Schlössern, Kirchen und Burgen halten wir unsere Brotzeiten und die Mittagssiesta immer in, beinahe unwirklichem, Postkartenpanorama ab. Die Kombination Sonne und Wasser ist einfach unschlagbar und hat eine magische Anziehungskraft auf uns und gibt die nötige Kraft und Motivation für neue Radel-Abenteuer.

In Sète erreichen wir die Strände des Mittelmeers, jetzt haben wir Frankreich einmal komplett durchquert und werden von duftenden Kiefernwälder und viel Sand empfangen. Hier und da erinnert uns die Küste und die Landschaft an den griechischen Pillion, die Urlaubsregion unserer Kindheit. Unser Zeltplätze duften herrlich, die Vögel zwitschern und die Grillen verstummen nur selten, ein Feierabend wie aus dem Bilderbuch. Nur die Moskitos können einem die Laune etwas vermiesen. Hier unsere, leicht ironische, Erklärung für die Moskito-Plage in Südfrankreich: „ Da der Franzosse Frösche isst und dieser daher als natürlicher Feind der Moskitos stark geschwächt ist, leben die Plagegeister hier wie im Paradies oder doch wie Gott in Frankreich?

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Auf gehts in Richtung Rhone.

Von Sète aus fahren wir am nächsten Kanal entlang, jetzt wird am „Canal du Rhone á Sète“ gestrampelt. Die freundlichen Franzosen halten gerne einen Plausch und wir verständigen uns oft mit Hand und Fuss, man muss ja nicht jede Sprache perfekt beherrschen, oder? Wir verlassen jetzt das sumpfige Delta der Rhone und machen uns auf um die „Cote d’ Azur“, die Perle Frankreichs, zu erkunden. Nach einigen steilen Abschnitten erreichen wir die Hafenstadt Marseille, die Altstadt ist toll und es gibt mächtige Bauwerke zu bestaunen. Frankreich ist ein Einwandererland, in der City sieht man überall Menschen aus offensichtlich unterschiedlichsten Kulturen und Ländern. Die Stadt, ihre Läden und Restaurants und nicht zuletzt ihre Einwohner sind daher wunderbar bunt und vielfältig.

Die Zeit verrennt, am 1. Oktober 2016 beginnt bereits der letzte Monat unserer Reise. Es kommt Wehmut auf, aber die Freude auf die Heimat, Familie und Freunde überwiegt natürlich.

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Nico übernimmt das Steuer.

Nach einigen grauen Tagen setzt sich die Sonne wieder durch und die Cote d’ Azur strahlt in ihrer ganzen Schönheit. Die 31.000km machen wie kurz vor St. Tropez voll und feiern mit Glanz&Gloria im Yachthafen der Glamour-City. Naja, wir lassen und eher feiern, der Jetset bestaunt unsere Räder und uns werden die Boote gezeigt, auf der „Aschanti IV“, einem 35m Segelboot, fühlen wir uns wohl und tauschen beinahe Steuerrad gegen Fahrrad ein, aber eben nur beinahe. In der Nacht schlafen wir, verhältnismäßig wenig luxuriös, auf einem LKW-Anhänger welcher auf einem Parkplatz steht, wir brauchen nicht viel um glücklich zu sein. Danke Tom, dem Trucker.

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Luxus an der Côte d’Azur. Wir übernachten im LKW.

Die Küste kurz vor Cannes ist von malerischer Schönheit und wir kommen aus dem staunen und fotografieren gar nicht mehr raus. Die Felsen leuchten in den unterschiedlichsten Rottönen und das Mittelmeer zeigt sich kristallklar wenige Meter unter uns, der Kontrast mit den saftig grünen Bäumen ist einmalig schön.

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Tolle Farben auf dem Weg nach Cannes.

Nach Cannes geht es rein nach Nizza, auch hier lässt es sich leben, die Altstadt, der Hafen, die breite Ufer-Promenade und die anliegenden Dörfer verstrahlen einen tollen, beinahe romantischen, Charme aus. Nur mit der Suche nach einem geeigneten wilden Zeltplatz wird es an der prominenten Cote d’ Azur immer schwerer. Wir sind einfallsreich und mit einer, wohldosierten, Portion Dreistigkeit findet man immer ein Plätzchen, schöner schlafen die wohlbetuchten auf ihrer Yacht wohl auch nicht.

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Ziellinie der Formel 1 in Monaco. Für uns gehts noch weiter.

Mit Monaco besuchen wir unser Land Nr. 27, bestaunen bei einer Brotzeit im Yachthafen von Monte-Carlo das schwimmende Kapital der Reichen und Schönen. Wir bekommen von einer neureichen Tante 5€ zugesteckt, für ein Eis wie sie meint, wir fühlen uns wie zwei Kleinkinder in einer fremden Welt und machen uns daher ganz schnell auf und davon in Richtung Italien. Bei Gucci, Rolex, Armani und Co. gibt es einfach nix für den gewöhnlichen Tourenradler, schon gar nicht für 5€!!! Der Adel hat es eben nicht so mit dem Radel!

Bella Italia ist also unsere Nummero 28 und ein Klassiker kurz vor dem Abschluss unserer Reise, nur die Schweiz trennt und jetzt noch von der Heimat. Frankreich mit 14.20€ p.P./Tag und Monaco mit 0€ p.P./Tag haben unsere Finanzen nicht überstrapaziert und wir haben daher noch genügen Budget für den Heimweg auf der Seite.

Gleich am ersten Tag in Italien dürfen wir kostenlos auf einem Campingplatz in San Remo stehen, als Gegenleistung müssen wir die gesamte Camper-Gemeinde mit unserer Geschichte unterhalten, ein großer Spass. Rüdiger und Susanne aus Köln laden uns spontan in ihr Ferienhäuschen in Dolcedo ein, dort bleiben wir eine Nacht und haben mit den beiden viel zu lachen. Die Akkus sind geladen, die Wäsche gewaschen, die Räder voller Tatendrang und wir sind ausgeruht für die nächste Etappe, neues Ziel Turin.

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Warm-Up für die Alpen.

Ciao Mittelmeer, Hallo Berge! Gleich der erste Tag  lässt uns, auf der S28, klettern und schwitzen. Gott sei Dank sind die Italiener Meister im Brücken- und Tunnelbau, viele Täler und Bergspitzen können so vermieden werden. Die Nächte werden nun deutlich kühler und der abendliche Badespass in den Bächen Italiens ist ein kühles Vergnügen und wir müssen uns in den Nächten dick anziehen.

Der Herbst macht auch vor Norditalien keinen Halt, kurz vor Turin wird das Wetter wieder sehr wechselhaft und bietet Sonne, Nebel, Kälte, Wind und Regen im ständigen Wechsel. Dem Wildlife scheint es zu gefallen, Dachs, Reh, Eichhörnchen und Co. springen wie wild umher. Den Skorpion im Schlafzimmer hätten wir am liebsten eingepackt, aber der darf jetzt doch weiter durch italienische Wälder kriechen.

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Erfrischung im Po. Hier ist er noch kristallklar.

Nach einer Nacht am Rande des Po’s und einem Sprung in denselbigen finden wir uns mitten in Turin wieder. Die italienischen Wochenmärkte sind immer einen Besuch wert, ansonsten radeln wir durch die Stadt von Piazza zu Piazza, von einem imposanten Gebäude zum nächsten. Die Italiener sind Fahrrad-Liebhaber, sogar die Polizei unterbricht ihre Arbeit für 15 Minuten um mit uns zu quatschen.

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Kurze Pause vom Dienst. Die italienische Polizei schaut unseren Trailer.

Leider ist die Schneefall-Grenze in den letzten Tagen auf knapp 1000m gefallen, ob wir mit den Rädern in die Schweiz rollen oder ob wir uns eine Alternative suchen müssen ist daher noch offen.

Morgen sollten wir jedenfalls die Grenze zur Schweiz erreichen und verabschieden uns mit diesem Blog daher schonmal von Italien, Schweiz mach dich bereit!

Unsere Crowdfunding-Aktion geht die nächsten Wochen online, wir hoffen genügen Menschen begeistern zu können, damit unser Film auch realisiert werden kann. Wir brauchen also Eure Unterstützung, wir halten Euch auf dem Laufendem.

Euch einen schönen Herbst und danke fürs lesen und teilen unserer Berichte auf Facebook & Co.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian und Nico.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Spanien II – Camino del Norte – Frankreich (2)

Frankreich
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Kathedrale von Santiago de Compostela.

Bevor wir Santiago de Compostela verlassen schauen wir uns noch in Ruhe die berühmte Kathedrale der historischen Stadt an. Die Kathedrale steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird und ist Ziel der diversen Jakobswege quer durch Europa. Das schwenken des gigantischen Weihrauchkessels ist Tradition und ein Erlebnis welches wir live miterleben dürfen.

Über den „Camino Portugues“ radelten wir in die Stadt, über den „Camino del Norte“, auch der Küstenweg genannt, verlassen wir Santiago de Compostela und seine historischen kleinen Gassen um uns auf unseren Weg in Richtung Frankreich zu machen. Der Camino del Norte gilt quasi als der Ur-Jakobsweg, erst später wurde der „Camino Frances“, weltweit auch als „der Jakobsweg“ bekannt, zum Hauptstrom der Pilger.  Die 2 wichtigsten Pilgerziele waren, damals wie heute, Rom und Santiago als Ausstrahlungsort des christlichen Glaubens und Sinnbild für den Widerstand der christlichen Welt in Europa bzw. in Spanien.

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Die Nordküste Spaniens.

Die Landschaft ist eine Augenweide, so anstrengend die vielen Hügel und Berge auch sind, die Wälder, Täler, Flüsse und Bäche entschädigen für jede Anstrengung. Vor uns offenbart sich, an unserm Reisetag Nr. 500, eine umwerfende Natur mit tausenden Farbfacetten bei herrlichem Sonnenschein. Erst als Nicos Schaltzug reisst sind wir zurück in der Realität und müssen wieder einmal, wir stehen mitten im Niemandsland, improvisieren. Letztendlich muss Nico einen kompletten Tag mit einen Gabelschlüssel seine Gänge wechseln, erst am nächsten Tag kommen wir an Ersatzteile und basteln einen neuen Schaltzug ans Rad.

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Gegen die Pfeilrichtung! Unser Ziel ist Deutschland.

Die Leute auf dem Camino kommen aus den unterschiedlichsten Ecken dieser Welt. Irgendetwas scheint alle Pilger, Radler oder Wanderer anzutreiben, viele bunte Gespräche am Strassenrand, in den Herbergen und beim abendlichen Wein und Essen geben uns Einblicke warum Menschen sich Abenteuer bzw. psychische und physische Herausforderungen suchen. Fazit: Es gibt keinen Einheitsgrund, hier einen gemeinsamen Nenner zu finden ist unmöglich. Nur ein Ziel haben die Menschen auf dem Jakobsweg gemeinsam, Santiago!!! Unser Ziel geht allerdings in die andere Richtung und heisse „Heimat“!

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Berg rauf – Berg runter. Das Panorama entschädigt!

Die N634 führt uns jetzt direkt am Meer entlang, auch an der Küste ist es ein einziges Auf und Ab, es  ist oft eine zähe Angelegenheit und die Beine schmerzen am Abend gehörig. Wieviele Täler wir alleine in Spanien umständlich durchqueren mussten wissen wir nicht mehr, es dürften aber für unser restliches Leben genügend gewesen sein. Hügel und Berge egal in welchem Land, egal auf welchem Kontinent werden wohl ein dicker roter Faden am Ende dieser Reise sein. Die 300.000 Höhenmeter sollten inzwischen nur noch Formsache sein und bis zum eintreffen in Deutschland gemeistert sein. Unsere Reise ist definitiv nichts für Flachland-Liebhaber, sollte es doch einmal flach sein, macht sich der Gegenwind einen Spass daraus uns zu ärgern. Gott sei Dank schleppen wir unser Hängematten mit, genügend Bäume für eine entspannte Siesta stehen jedenfalls immer parat. Die unzähligen kleinen Dörfer mit ihren zahlreichen Einkehrmöglichkeiten thronen bezaubernd auf den Klippen, unten lädt der Atlantik zum baden ein. Wäre der Ozean nicht treu an unserer Seite könnte man meinen in der Schweiz zu sein. Die Kuhweiden, die historischen Gebäude, leckeres rustikales Essen und die massiven Berge im Hintergrund runden dieses Bild standesgemäss ab.

Unsere Zeltplätze sind meist abseits der Dörfer, ein geeigneter Badefluss findet sich immer, so schlummern wir seelenruhig bis uns die Morgensonne weckt. Nur die Kühe auf den nahen Weiden wundern sich über ihre neuen Nachbarn und bimmeln mit ihren Glocken um die Wette. Am Morgen liegt oft noch Nebel und Taureif über der verschlafenen Natur, daher hat die erste Radelstunde am Tag oft was märchenhaftes.

In den letzten Wochen waren wir, verhältnismässig, oft online um Emails zu schreiben und um damit unser Filmprojekt weiter voranzutreiben, inzwischen haben wir einen ersten Trailer über unsere Reise. Wer diesen noch nicht kennt, kann ihn hier anschauen!


Sobald es Neuigkeiten gibt oder wann das geplante Crowdfunding-Projekt genau startet, lassen wir es euch wissen.

An der zauberhaften Playa de Vega treffen wir Freunde aus der Heimat. Hannes, Jakob, Robert & Co. sind mit ihren VW-Bussen auf Surf-Tour und machen gerade die spanischen Stände mit ihren Brettern unsicher.

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Wir treffen die Profi-Surfer aus der Heimat. Es war uns eine Ehre!

Die Herbergen am Wegesrand sind nicht nur Treffpunkt sondern einfach auch praktisch. Die Sonne verschwindet und bis an die französische Küste, ganze 8 lange Tage, beherrscht Regen unseren Radalltag und wir sind froh für durchschnittlich 5€ p.P. ein Dach über dem Kopf zu haben. Gerade in der Nacht schüttet es oft wie aus Kübeln und an zelten ist beim besten Willen nicht zu denken. Graues, kühles Aprilwetter mitten im September, aber bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur….. Die obligatorischen Schnarcher in den Unterkünften hellen die Stimmung nicht gerade auf, irgendeiner startet immer ein nerviges Nachtkonzert. In Kombination mit den quietschenden Stockbetten kann da die 9.Sinfonie von Beethoven nur schwer mithalten.

Die zahlreichen leerstehenden Immobilien passen zum tristen Regenwetter, die Immobilienkrise hat in Spanien grosse Wunden hinterlassen und viele Rohbauten stehen wir verwaiste Skelette in der Landschaft, Häuser welche neue Besitzer suchen gibt es unzählige.

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Regentag in Bilbao! Wir gehen ins Guggenheim Museum.

Bevor wir Seekrank werden, vor lauter Regenwetter und welligen Strassen, machen wir Pause in Bilbao und schauen uns das weltberühmte Guggenheim-Museum an. Picasso, Warhol und Co. sind ausgestellt, ein bisschen Kultur hat noch niemanden geschadet. Was allerdings alles als Kunst zählt lässt uns mit der Frage zurück: „Was ist eigentlich Kunst?“ Vielleicht haben wir zu wenig Phantasie und denken nicht abstrakt genug. Naja, liegt wohl im Auge des Betrachters, ist unsere Reise eigentlich auch eine Form von Kunst?

Die Supermärkte am Wegesrand werden zunehmend deutscher, Schwarzbrot, Senf und Saitenwürstchen erinnern uns zumindest stark an die Heimat. Aber auch die baskischen Spezialitäten, wie gekochter Tintenfisch, Serano-Schinken, Salami oder Käse sind jedesmal eine kurze oder auch längere Pause wert.

Wieder haben wir viele neue Freunden gefunden, Morten, Maria & Josef, Freddy, Jan, Martin, Robert, Aline, Felix, Amir, Matt, Hector, Alex, Matteo, Gabriel, Julien…. Danke, es war uns ein Fest!

Die massiven Pyrenäen stellen ein letztes Hindernis zwischen Spanien und Frankreich da. Gerade bei strömenden Regen und bei düsterem Himmel schaut das Steinmassiv doch sehr respekteinflössend aus. Allerdings findet die Straße immer ein Tal und so halten sich die Strapazen in den Pyrenäen in Grenzen, uns und unseren Rädern ist das recht. Kurz nach San Sebastian erreichen wir Irun den Grenzort zu Frankreich. In Irun endet auch der Camino del Norte, er war anstrengend, aber wir können diesen Weg nur jedem empfehlen. Buen Camino!

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Bonjour France. 30000km später sind wir wieder hier!

Wir sagen also Adios N634, Tschüss Pyrenäen, Bye-Bye Spanien und BONJOUR Frankreich! Frankreich ist das erste Land auf unsere Reise, welches wir zum zweiten Mal auf unserer Tour befahren. Die Polizisten an der Landesgrenze lachen uns freundlich zu, vermutlich voller Mitleid da der Regen auch in Frankreich keine Gnade kennt. Immerhin fällt gleich am ersten Tag die 30.000km Grenze auch die Wetteraussichten der nächsten Tage hellen die Stimmung wieder auf.

Am zweiten Tag in Frankreich hat der Dauerregen endlich eine Ende und die ersehnte Sonne hat wieder Oberhand, das Zelt ist wieder unsere tägliche Herberge und wir geniessen die Sonnenstrahlen in jeder Minute. Die Nächte stehen unter dem Motto „Natur pur“, wir hören nur das Rauschen der Bäche und die Tiere welche durchs Unterholz flitzen. Erst als in der Ferne die Kirchturmglocken bimmeln verlassen wir unser Zelt und bauen schnell und routiniert ab, jeder Handgriff sitzt nach über 517 Tagen on Tour.

Es geht vorbei an riesigen Weinanbaugebieten, Maisäckern und Sonnenblumenfeldern, aber auch exotische Früchte wie Kiwis scheinen sich in Frankreich wohl zu fühlen. Auch hier kommt der Herbst mit grossen Schritten, Kastanien und fallende Blätter sind wohl auch hier die ersten Vorzeichen auf die neue Jahreszeit.

Kurz vor Toulouse werden die Straßen enger und der Verkehr nimmt stark zu. Nico wird auf der Schnellstraße von einer überholenden Golf-Fahrerin touchiert, kann das Rad aber gerade noch abfangen. Die circa 80-jährige Fahrerin ist danach am Boden zerstört und mit den Nerven am Ende, Glück gehabt. Jede Dorne und jeder Draht sucht sich weiterhin zielsicher Julians Hinterrad aus und inzwischen musste Plattfuß Nr. 36 geflickt werden, auch ihr ist inzwischen Routine Trumpf!

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Halt Stop! „Das ist verboten!“.

Auf der N124 geht es weiter nach Toulouse. Erst ist die N124 eine gemütliche Schnellstraße, circa 30km vor Toulouse wird diese allerdings zur Autobahn. Wir finden uns, da es keinerlei Verbotsschilder gab, mitten auf der Stadtautobahn wieder. Es kommt wie es kommen muss, erst kommt die Autobahnmeisterei und nach weiteren 3 Km die Polizei. Wir hatten keine Möglichkeit umzukehren und befinden uns bereits auf der Ausfahrt als die „Gendarmerie“ uns mit eingeschaltetem Blaulicht überholt. Die zwei Ordnungshüter sind übel gelaunt, kontrollieren unsere Pässe und schreien rum wie die Wilden. Gott sei Dank lief die Kamera mit, wir bekommen die Pässe zurück mit den Worten „Solltet ihr noch einmal auf der Autobahn erwischt werden, ziehen wir die Räder ein und ihr lauft zurück nach Deutschland“! Ganz schön verspannt die Jungs in Frankreich, gibt es Terroristen auf Fahrrädern?

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Toulouse an der Garonne.

Mit Rädern erreichen wir jedenfalls die Universitätsstadt Toulouse und legen einen entspannten Ruhetag ein. Wir kommen bei Alex und Cathy unter, die 2 haben uns bei warmshowers.org eingeladen. Wir ziehen durch die Stadt, geniesse die Sonne im Park und an der gemütlich fliessenden Garonne, der Flair der Altstadt ist jung und leicht. Beim Rugby-Spiel Toulouse vs. Paris ist mächtig Stimmung und zeitgleich ist das Event ein schöner Abschied von der Stadt und unseren Gastgebern.

Die Heimat rückt näher, in 2-3 Wochen sollten wir wieder deutschen Boden unter den Reifen haben. Wir freuen uns darauf.

Danke fürs lesen und teilen unserer Berichte und Trailer, ihr hört von uns.

Viel Spass auf der Wiesn!

Julian und Nico.

Weitere Bilder findest Du in unserer Galerie.

Trailer für unser geplantes Crowdfunding Projekt

Alaska/USA, Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, England, Frankreich, Guatemala, Honduras, Island, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Portugal, Schottland, Spanien, USA

Servus Miteinander,

die lange Zeit des Wartens hat hiermit ein Ende. Wir präsentieren stolz unseren ersten Trailer zu unserem geplanten Crowdfunding Projekt, mit welchem wir unseren Traum vom Film über unsere Reise zu Olympia 2016 in Rio realisieren wollen.

Wie ihr seht arbeiten wir eifrig an unserem Film-Projekt.

Seid gespannt und viel Spass beim anschauen. Wir haben noch 2000 Kilometer vor uns und freuen uns auf die herbstliche Heimat im Oktober.

Grüße aus Spanien,
Nico und Julian

Portugal – Spanien – Camino de Santiago

Portugal, Spanien

Wir packen also unsere restlichen 7 Sachen in Rio und verabschieden uns vom Zuckerhut und damit auch von Südamerika. Nur wenige Stunden später landen wir sicher und entspannt in Lissabon, mit dem Flugzeug dauert eine Reise nach/von Südamerika also nur wenige Stunden bis aufs europäische Festland. Per Rad ist die Anreise eettwwaasssss länger und man muss über 28.400 Kilometer strampeln und gute 1555 Stunden im Sattel sitzen, dafür ist die Variante mit dem Fahrrad schöner und vor allem abenteuerlicher und jeden Aufwand wert. Als die Räder auch noch sicher auf dem Gepäckband in Lisboa auftauchen ist die Welt in Ordnung und Europa hat uns wieder. Portugal ist unser Reiseland Nr.25 und Anfangsstation für unsere letzte Etappe in Richtung Heimat. Die nächsten Wochen stehen mit Spanien, Frankreich und der Schweiz noch weitere tolle Länder und Wege auf unserer Liste, wir freuen uns.

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Überraschung. Eltern und Bruder zu Besuch in Lissabon-

Die halbe Familie erwartet uns in der historischen Altstadt von Lissabon, mit Bruder und Eltern machen wir 4 Tage lang die historische Hafenstadt unsicher. In den Gassen der Altstadt sitzen unzählige Menschen in kleinen Gruppen zusammen und geniessen ihr Feierabendbier, Straßenmusiker spielen an idyllischen Plätzen und viele charmante Bars locken zum gemütlichen Beisammensein. Lissabon ist eine echte Perle und begeistert mit einem tollen, gemütlichen aber edlen Flair. Wir geniessen europäisches Essen bei angenehmer, lässiger Atmosphäre und lauen Sommernächten. Gefühlt laufen wir alle Straßen Lissabons ab, aber auch nach 4 Tagen gibt es immer noch jede Menge Ecken und Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Natürlich darf eine Fahrt in der weltberühmten Strassenbahn der Stadt nicht fehlen, diese schlängelt sich, wie ein Wurm, durch die enge City. Zusammen machten wir uns auf nach Sintra, unweit der kleinen Stadt finden wir den westlichsten Punkt Europas und geniessen einen herrlichen Ausblick über den, zum baden doch sehr kühlen Atlantik.

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Cabo da Roca. Der westlichste Punkt Europas.

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Mit dem Fahrrad durch Europa.

An Tag 490 unserer Reise machen wir die Räder wieder startklar, schrauben, ölen und packen, nur wenige Stunden später hat uns die Straße wieder. Es dauert bis wir das Stadtgebiet Lissabons endgültig hinter uns haben und die Silhouette der Stadt nur noch am Horizont zu erkennen ist. Hola Portugal, du bist ganz schön hügelig und lässt uns mit deinen unendlichen Bergen, viel Gegenwind und Sonne satt ganz schön schwitzen. Der Highway M8 führt parallel zur Autobahn und ist unsere neue Heimat, die Landschaft erinnert an die italienische Toskana, die schattigen Pinienwälder locken regelmäßig zu einer längeren Siesta. Überall in Portugal finden wir tolle wilde Zeltplätze und wir geniessen die langen Tage. In Südamerika war in der Regel gegen 18 Uhr Sonnenuntergang, hier können wir bis 18 Uhr radeln, da sich die Sonne nicht vor 20.30h verabschiedet, sehr fahrradfreundlich.

Portugal zeigt uns wie schön unser Heimatkontinent Europa ist. Man muss nicht um die halbe Welt reisen, Europa hat unheimlich viele schöne Facetten. Trotzdem sind wir froh soweit gereist zu sein, unser Horizont hat an Tiefe gewonnen und viele Dinge in der heimatlichen Komfortzone, welche für uns einfach selbstverständlich geworden sind, lernt man ganz anders zu schätzen. In Punkto Schönheit und Geschichte braucht sich Portugal und ganz Europa sicher nicht verstecken. Es ist schön wieder durch Europa zu rollen, nicht nur die Verkehrsschilder und die Infrastruktur sind, dank EU-Norm, vertraut. Das Sortiment der Supermärkte lockt verführerisch, gerade bei Wurstwaren und Käse scheinen wir in den letzten Monaten mangelernährt gewesen zu sein und die Delikatessen springen uns regelrecht an.

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Zelten am Atlantik. Freiheit pur.

Nachts liegen wir im Gebüsch oder in duftenden Kiefernwäldern, Hasen und Füchse rascheln durchs Unterholz, in der Ferne glitzert  beim Sonnenuntergang und 10 Stunden später beim Aufgang der Sonne der gigantische Atlantik, die Menschen sind hilfsbereit und die Autofahrer sehr respektvoll im Umgang mit Radlern und eine leckere Brotzeit findet sich ebenfalls immer, Portugal du gefällst.

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Nico mit der Altstadtkulisse Portos im Hintergrund.

Mit Porto durchfahren wir eine weitere tolle Stadt, gerade der historische Hafen und die schöne Altstadt hat uns sehr gut gefallen und es wird hoffentlich nicht unser letzter Besuch gewesen sein. Ab Porto folgen wir einem gelben Pfeil und einer Jakobsmuschel eine sicheres Zeichen, wir befinden uns auf dem portugiesischen Jakobsweg, dem „Portuguese Coastal Way“. Wir begegnen Pilgern aus aller Welt, per Rad oder zu Fuss viele Menschen machen sich auf um die berühmte spanische Pilgerstadt von Santiago de Compostela zu erreichen. Ein sehr angenehmer Schlag Mensch sind die symphatischen bunten Pilger, wir bekommen viele Geschichten erzählt und müssen nicht nur immer unsere Geschichte wiedergeben, sondern dürfen auch mal in Ruhe zuhören.

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Hola Espana. Willkommen in Galizien.

Mit Plattfuß Nr. 32 verabschiedet sich Julian von Portugal und wir überqueren wenig später den Grenzfluss „Rio Minho“ und begrüßen Spanien unser inzwischen 26. Land. Mit 24.61€ p.P./Tag war Portugal recht teuer, aber die 4 Tage in Lissabon und unser Heißhunger auf gutes portugiesisches und europäisches Essen schlugen stark zu Buche und auch auf die Figur.

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Wir folgen dem Jakobsweg nach Santiago.

Der Küsten-Jakobsweg ist traumhaft schön, da verkraftet man auch die zahlreichen Hügel und die zunehmend selbstbewusstere Sonne, welche eine enorme Power an den Tag legt. Die Tage sind heiss, die Nächte dagegen überraschend kühl und vor allem feucht. Am morgen müssen wir, dank Luftfeuchtigkeit und Nebel, unser Equipment oft nass und klamm einpacken, die ersten Stunden sind daher oft eher sehr zäh. Spanien ist definitiv eine Rennrad-Hochburg, jeden Tag sausen unzählige freundliche Sportler auf ihren ultraleichten Bikes an uns vorbei. Die Jungs sind zwar wesentlich schneller als wir, aber über unsere inzwischen 29.000 Kilometer staunen dennoch alle und wollen mehr Infos über unsere Tour und ein Erinnerungsfoto von den „loco Alemanes“!

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Immer der Muschel nach. Nur noch wenige Kilometer.

Die Räder sind, nach kleineren Wartungsarbeiten, wieder voll in der Spur und spulen ihre täglichen Kilometer ohne Probleme runter, wahrscheinlich freuen diese sich auch auf einen Ruhetag in Santiago de Compostela. Der Pilgerort rückt jedenfalls Stück für Stück näher, falls wir nicht gerade in nervigen Stadtgebieten festhängen geniessen wir die duftende Natur. Sommerwiesen, Berghänge mit diversen Kräutern, Kiefernwälder und exotische Pflanzen lösen eine wahre Geruchsexplosion aus. Der Jakobsweg führt uns jetzt im zickzack Kurs, das Kopfsteinpflaster nervt und wir wechseln hier und da auf die einfachere Schnellstraße. Es zieht sich. Doch als wir vor der Kathedrale von Santiago de Compostela stehen und einfach nur den Moment geniessen, sind alle Strapazen vergessen und Ruhe und Entspannung setzt ein.

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Santiago de Compostela.

Wir finden eine günstige Unterkunft in einer der zahlreichen Gassen, lassen uns durch die Stadt treiben, bewundern die gigantischen Bauwerke der Pilgerstadt, bestaunen die herrliche Kathedrale und kommen einfach mit Menschen aus aller Welt in Kontakt. Die Pilgerurkunde bekommen wir ausgehändigt und wir bringen unseren Blog auf den neuesten Stand, finden aber auch Zeit zum entspannen.

Die Basler-Zeitung hat einen lesenswerten Artikel über uns geschrieben, wer war schonmal mit Usain Bolt auf einer Seite zum Thema Olympia? Keiner? Wir jetzt schon, hier geht es zum Link: Basler Zeitung, 20. August 2016

Ja, ansonsten schreiben wir fleißig Emails um eventuellen Sponsoren für unser Filmprojekt zu finden. Langsam aber sicher wird das ganze Unterfangen konkreter und wir sind zuversichtlich in einigen Wochen ein Crowfunding-Trailer präsentieren zu können. Es bleibt aber, wie immer, spannend.

Den nächsten Bericht sollte es aus bereits aus Frankreich geben mal schauen was bei unserem zweiten Besuch der „Grande Nation“ alles passiert. Vorher freuen wir uns aber noch auf die spanische „Costa Verde“ bzw. auf die „Biskaya-Küste“, auch hier führt, diesmal der spanische, Jakobsweg entlang. Der „Camino de Norte“ soll sehr reizvoll aber auch sehr anstrengend sein, schau mer mal was kommt und wer uns so über den Weg spaziert.

Danke fürs lesen und einen schöne Zeit, wir wünschen einen „Buen Camino“, egal wohin der Weg auch geht bei Euch.

Mit sportlichen Grüßen aus Santiago,

Julian und Nico

Weitere Bilder gibt es in unserer Galerie.

Olympia 2016 – Rio de Janeiro – Brasilien IV

Brasilien
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Tolles Grafiti.

Rio es war uns eine Ehre!! Die Olympischen Spiele sind vorbei und wir hatten viel Spass in dieser tollen Stadt am Zuckerhut, die Spiele waren ein absolute Highlight am Ende unserer gemeinsamen Reise und das perfekte Ziel. Die Menschen, egal ob Einheimische, Sportler oder Touristen waren der absolute Wahnsinn und haben uns inspiriert und fasziniert. Mit der vielen Energie welche versprüht wurde kann man etliche Elektrizitätswerke einsparen!

Wir wohnen in einem zentralgelegenem Viertel zwischen Olympiastadion und Copacabana. Santa Teresa ist der ideale Platz für uns um Olympia hautnah zu erleben, aber auch um die zahlreichen Sehenswürdigkeiten Rios einfach zu erreichen. Unser Viertel hat viele kleine Gassen, es ist bunt und unzählige Straßenhändler zieren das Straßenbild und machen diesen Ort sehr lebendig und liebenswert.

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Live in der ARD. 3 Uhr in Rio, 8 Uhr morgens in Deutschland.

Der Medienrummel rund um unseren Zieleinlauf an der Copacabana war enorm, inzwischen haben über 80(!!) verschiedene Medien über uns und unseren „Fahrradausflug“ um die halbe Welt berichtet. Ein absolutes Highlight war natürlich unser live Auftritt in der ARD-Sportschau, nachts um 00.30h werden wir von einem Shuttelservice abgeholt. Wir werden am olympischen Dorf vorbei, via Schnellstrasse welche nur von Sportlern und Sponsoren genutzt werden darf, zum Medienzentrum gefahren. Zig Kontrollen werden passiert, Militär steht an jeder Ecke, 2 Pressausweise baumeln um unserem Hals, wir müssen in die Maske und um 3.15Uhr sitzen wir live bei Michael Antwerpen und Jessy Weller auf der ARD-Couch! Großes Kino für uns und das alles um 3 Uhr in der Nacht, was für eine unvergessliche Geschichte!!

Franziska van Almsick findet unsere Story „unglaublich“, der Beckenbauer-Manager Höfl hört gespannt zu und findet es eine „Hammergeschichte“! Diese Reaktionen sind keine Seltenheit, egal wo wir auftauchen treffen wir auf faszinierte Menschen und müssen viele neugierige Fragen beantworten. Im Deutschen Haus sind wir Ehrengäste des DOSB wir treffen Persönlichkeiten wie die Gold-Reiter und unzählige weitere Medaillenträger, Dr. Müller-Wohlfahrt, Gerhard Delling, DFB-Präsident Herr Grindel und seine Delegation, Funktionäre, Sponsoren, diverse Reiche & Schöne, alle wollen Details von unserer abenteuerlichen Reise hören, es ist  für uns wie im Märchen. Dabei haben wir doch nur 15 Monate sehr intensiv gelebt, eigentlich nichts besonderes, oder? Leben die Menschen nicht? Erfüllen sich zu wenige ihren Traum? Steckt die Abenteuerlust und Neugier nicht in allen Menschen? Naja, wir berichten jedenfalls und unserer Geschichte können wir jetzt in 3 Sprachen und zu jeder Uhrzeit aufsagen.

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Beachvolleyball an der Copacabana. Ein 12.000 Zuschauer fassendes Stadion aus Gerüststangen.

Wir schauen uns die Spiele in Ruhe an, am Ende waren wir beim: Beachvolleyball an der Copacabana, beim Basketball, beim Tischtennis-Finale der Frauen, 2x bei den Leichtathleten im Olympiastadion, 2x beim Hallenvolleyball der Männer, beim golden Fussball-Finale der Frauen im Maracana und der krönende Abschluss war für uns das Fussball-Finale der Männer im ausverkauften ehrwürdigen Maracana. DERTOUR und Audi haben uns 2×3 bzw. 1×3 Tickets gesponsert, wir sagen danke.

Die Reaktionen der Medien auf unsere Ankunft in Rio hat uns selbst überrascht, in den letzten Tagen stand das Telefon selten still. Radios wollten ein Interview, TV-Anstalten wollten einen kurzen Trailer drehen und Zeitungen aus aller Welt wollten sich mit uns treffen. Turbulente Welt, ein Kontrastprogramm zu unserer eher ruhigen Zeit die Monate zuvor auf unseren Rädern und in den abgelegensten Winkeln dieser Erde. Wir bedanken uns für das tolle Feedback welches wir bekommen haben und freuen uns das unsere sportliche Leistung, gerade von vielen Spitzensportlern und Sportreportern, gewürdigt und anerkannt wurde. Merci!

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Corcovado.

Trotz des ganzen Rummels um unser Trio kommt die Entspannung natürlich nicht zu kurz. Die Copacabana wird ausführlich getestet, der Zuckerhut wird erobert und auch die weltberühmte Christus Statue, der Corcovado, wird besichtigt. Die Parks und die Promenaden sind toll angelegt und so spazieren wir oft ohne konkreten Plan durch die City und beobachten das bunte Treiben der Menschen aus aller Welt. Wir lassen uns treiben, wie wir uns die letzten 15 Monate durch 24 Länder treiben liesen, ein schönes Gefühl ohne Zwang und Drang. Daniel, unser Freund aus der Heimat, studiert hier in Rio und zeigt uns die interessantesten Party-Locations und die Favelas in den Hügeln Rios. Rio sprüht voller Energie, die Menschen haben Samba im Blut und machen die Nacht zum Tag und das 24/7. Wir erleben die Menschen in Rio als tolle, offene Gastgeber, gerade Abseits der Touristenmassen zeigt sich Rio von seiner schönsten Seite, irgendwo steigt immer eine Party oder die Menschen sitzen beim gemütlichen Bierchen zusammen.

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Letzter gemeinsamer Abend! Adios Sandro.

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„Die Reise ihres Lebens“.

Nach 474 gemeinsamen Tagen macht Sandro sich auf den Heimweg zurück nach München. Mit Rio war unser Teamziel erreicht und wir sind alle drei wahnsinnig stolz dieses ferne Ziel als Trio erreicht zu haben. Auf Sandro warten Aufgaben im München, welche sich leider nicht länger haben aufschieben lassen. Nach einer dicken Abschiedsfeier macht er sich also auf den Weg und ist inzwischen gut in München gelandet. Wir sagen Tschüss und danke für eine geile Zeit auf unserm Trip von München nach Rio. Der Müncher-Merkur bringt uns mit der Headline „Die Reise ihres Lebens“ aufs Titelblatt und so wird Sandro gleich am Münchner Flughafen mit seiner eigenen Story empfangen.

Ja, was sollen wir sagen? Inzwischen ist ein Film über unsere Reise konkret geplant. Thomas Köke von der Filmhochschule Bremen kommt extra wegen uns aus Deutschland eingeflogen und dreht mit uns 6 Tage an verschiedenen Orten rund um Rio und natürlich auch direkt in der „City of God“. Hauptsächlich werden Interviews geführt und wir erzählen quasi unsere Geschichte nach, das gesammelte Filmmaterial der letzten 15 Monate muss gesichtet werden und daraus soll in einigen Monaten ein Film entstehen. Da die Produktion eines Filmes viel (sehr viel) Geld kostet geht in den nächsten Wochen wohl ein Crowdfunding-Projekt an den Start. Die ersten Trailer werden bald online sein und wir halten euch weiterhin auf trioforrio.com und auf unserer Facebook-Seite auf dem Laufendem. Wir bedanken uns bei Thomas für die schöne Zeit hier in Rio und seine Geduld mit uns, wir haben größten Respekt vor deiner Energie und deinem scheinbar unstillbaren Tatendrang. Danke!

Inzwischen haben wir dem Deutschen Haus Besuch Nr.2 und 3 abgestattet. Die Olympische Familie hat uns gut aufgenommen und ist sehr feierfest und lädt zu ausufernden Partys. Der Starpianist Lang-Lang spielte auf und die Sportler geniessen ihre Olympiade in einer einmaligen Location direkt am Meer und bei einer wunderbaren Atmosphäre. Das Buffet muss sich nicht verstecken, nach unzähligen Abenden mit Spaghetti & Tomatensosse fühlen wir uns wie im Schlaraffenland, auch die Bar bietet zahlreiche exotische Alternativen zum  üblichen Leitungswasser.

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Nach der Sektdusche gratulieren auch wir Horst Hrubesch.

Abend Nr. 3 gehört eindeutig den Fussballern, die Gold-Mädels und die Silber-Männer sind vor Ort und reissen die Hütte beinahe ab. Lars Bender meint zu unserer Reise „Ihr habt doch nen Lattenschuss!“, Timo Horn, Davie Selke, Nils Petersen & Co. wollen Details und sind jetzt weitere prominente Unterstützter und Freunde unseres Filmprojekts „Trio for Rio“! Horst Hrubesch und Hansi Flick sind begeistern und der Pressesprecher des DFB, lädt uns spontan zu einem A-Länderspiel ein. Uns werden Medaillen umgehängt und die Jungs wollen Selfies mit uns machen, verkehrte Welt in Brasilien. Es ist eine intensive Zeit wie in einem verrücktemTraum. Hätte uns vor 15 Monaten jemand gesagt, dass diese Reise live in der ARD-Sportschau oder/und im Deutschen Haus Arm in Arm mit der deutschen Sportelite endet, wir hätten gelacht und kein Wort geglaubt.

Finale Gold

Gold für die deutschen Fussballerinnen. Tabea Kemme hatte schon vorher von uns gehört.

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Finale im Maracana gegen Brasilien. Geile Stimmung!

Beim Finale der Fussball-Frauen waren wir also live im Maracana und feuerten die Mädels lautstark an bis Gold gesichert ist, unser erstes Länderspiel endete gleich mit Gold ein guter Einstieg. Das Finale der Männer einen Tag später war mit über 80.000 Menschen natürlich restlos ausverkauft, wir und eine Handvoll weitere deutsch Anhänger waren wieder live vor Ort. Die Stimmung war vom feinsten, wir brüllten, sangen und klatschten gegen eine gelbe, brasilianische Wand an, die Lautstärke war enorm noch heute schmerzen die Ohren, ein explosiver Hexenkessel, ein würdiger Abschied aus Rio, aus Brasilien, aus Südamerika. Die Jungs auf dem Platz haben alles gegeben und haben Silber gewonnen! Wer erst im Elfmeterschießen geschlagen wird darf das Maracana mit erhobenen Kopf verlassen. Hut ab, klasse Leistung! Wir sind immer noch Fussball-Weltmeister und das 7-1 steht für alle Zeiten in den Geschichtsbüchern der ganzen Welt und auf den traumatisierten Seelen der brasilianischen Fussballfans werden die Narben wohl nie verheilen. Wie schon erwähnt haben wir das Team im Deutschen Haus wieder aufgebaut und spätestens in den frühen Morgenstunden auf der Tanzfläche waren alle strahlende Sieger.

Silber im Finale. Julian mit der Medaille der Fussballer.

So, wie gehts weiter? Nico und ich haben uns für eine weitere Fahrradreise entschlossen!!! Wir fliegen jetzt nach Lissabon und radeln „die letzten Meter“ zurück in die Heimat. Mitte/Ende Oktober hat uns Deutschlands Süden aber definitiv wieder zurück. Auch wenn wir jetzt als Duo weiterradeln berichten wir wie gewohnt auf trioforrio.com und auf Facebook.

Die Räder sind geputzt, gewartet und freuen sich genauso wie wir auf neue Abenteuer in Europa. Die Abschieds-Fiesta in unserer Unterkunft wurde bereits gefeiert, wir bedanken uns bei unseren Gastgebern Kelly & Wilma, Santa Teresa war das perfekte Stadtviertel für uns.

Olympia ist vorbei und es regnet! Es ist Zeit weiterzuziehen!

Nochmals danke an das Team vom DOSB und an Herrn Achten vom Deutschen Haus, ihr wart tolle olympische Gastgeber. Danke auch an die Medien welche unsere Geschichte in die Welt hinaus geschickt haben! Ihr hört von uns! Wir freuen uns falls wir jemanden inspiriert konnten, Fahrradreisen sind eine tolle Sache um den Globus auf eigene Faust zu erkunden. Probiert es aus!

Bleibt uns treu, berichtet von uns und seid gespannt ob ein Filmprojekt tatsächlich realisiert werden kann. Danke fürs lesen und teilen unserer Berichte, es war uns eine Freude. Wir sind selbst auch gespannt auf die/den ersten Trailer über unsere Tour und natürlich auf das bevorstehende Crowdfunding-Projekt, wir werden berichten.

Pack mer’s, Europa wir kommen!!

Mir Sportlichen Grüßen,

Julian und Nico

Mehr Bilder sind in unserer Galerie zu finden.

Brasilien III – Zieleinlauf Rio de Janeiro – Olympia 2016

Brasilien

Wir haben es geschafft, unser Traum von Rio, unser Traum von den Olympischen Spielen 2016 ist hiermit Wirklichkeit geworden! Wir könnten platzen vor Glück! Am 467 Tag unserer Tour, nach 1554,77 Stunden im Sattel und exakt 28464 km auf den Bikes erreichen wir endlich die ersehnte Stadt am Zuckerhut und den berühmtesten Strand der Welt die Copacabana. Als wir vor über 15 Monaten in Deutschland starteten hatten wir keinen Ahnung was uns zwischen München und Rio erwartet. In 24 Länder wurden wir Zeugen von einzigartige Kulturen und atemberaubenden Landschaften, wir bedanken uns bei den vielen  Menschen entlang der Strecke, eure Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft war überwältigend ihr seid alle ein Teil dieser Reise und habt unser Abenteuer so unvergesslich, so bunt und einzigartig gemacht. Wir haben so unglaublich viele neue Freunde gefunden und allein ihr wart jede Strapaze, jeden Kilometer wert. Danke auch an unsere Familien und Freunde in der Heimat, bald sind wir wieder zurück, versprochen.

Ab jetzt gilt das Olympische Motto: „Dabei sein ist alles!“

So, jetzt ein kurzer Sprung 14 Tage zurück nach Florianopolis wo wir unseren letzten Blog online stellten.

Angelauslug und unsere Rettung. Mehr dazu im Text.

Unsere Rettung! Diese Jungs bringen uns auf die andere Seite der Lagune.

Nach Florianopolis hat uns der Highway BR-101 wieder, gewohnt gut ausgebaut führt dieser uns Kilometer für Kilometer gen Rio. Die Vorfreude auf Rio steigt mit jedem Meter, wir zählen die Tage runter, unsere Gefühlswelt steht vor Freude und Spannung Kopf und ein leichtes kribbeln ist unser ständiger Begleiter. Die Brasilianer sind der pure Wahnsinn und an Herzlichkeit kaum zu überbieten, wieder stehen uns die Häuser und Gärten offen, wir werden zum Frühstück, zum Abendessen oder auf ein kühles Bier eingeladen und haben quasi überall eine Riesen-Guadi. Brasilien es ist uns ein Ehre, Hut ab vor deinen tollen Einwohnern! Egal ob in Joinville bei Familie Tirelli, beim zelten im Garten eines Töpfers, eines Zoo-Besitzers oder beim campen auf dem Gelände eines Forschungszentrum im atemberaubenden Nationalpark wir haben wieder viel interessante Menschen getroffen und tolle Geschichten sammeln dürfen.

An manchen Tagen ist der Verkehr aber auch leicht kriminell, gerade in den Städten und insbesondere an den zahlreichen Ein- Ausfahrten ist wieder höchste Konzentration gefragt und wir sind jedesmal froh den Ballungszentren heil zu entkommen. Die Brasilianer sind irgendwie noch nicht so richtig in Olympia-Laune und sehen das anstehende Großevent eher skeptisch. Muss nach der Fußball-WM 2014 nur 2 Jahre später schon das nächste, sehr kostspielige, Großereignis auf brasilianischem Boden stattfinden? Wir haben andere Brennpunkte in unserm Land! Das ist die gängigste Aussage der Brasilianer, aber sobald Olympia startet „werden wir schon alle mitfiebern und kräftig feiern“ wurde uns zugesichert.

Wir verlassen den Bundesstaat Santa Catarina und fahren jetzt in Parana direkt an der Küste entlang in Richtung Sao Paulo. Durch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit in der Nacht ist in der Früh alles klamm und nass, dementsprechend fällt das Aufstehen manchmal etwas schwerer. Aber unser Ziel und unser sportlicher Ehrgeiz motiviert uns täglich neu und so steigen wir artig jeden Tag mit dem Sonnenaufgang aufs Rad und radeln bis die Muskel schmerzen. Gott sei Dank haben wir uns für die Küstenstraße entschieden, in den Bergen fallen die Temperaturen z.T. unter den Gefrierpunkt und darauf hat keiner mehr Lust, die Anden und die Kälte sind für uns passe. Je näher wir Rio kommen umso öfter werden wir vor Rio selbst und den gefährlichen Bewohner gewarnt auch die gemeine Denque-Mücke soll auf den nächsten 500km recht aktiv sein.

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Kein Asphalt. 35km am Strand entlang.

Plötzlich hört die Strasse auf und wir müssen 28km auf dem, gut befestigten, Strand fahren, als dieser durch dichte Mangrovenwälder auch nicht mehr passierbar ist schauen wir doof aus der Wäsche. Was machen? Wir sind gestrandet wie Robinson Crusoe und die Flut setzt langsam ein, wir haben also keine Zeit mehr umzukehren und im Hinterland versperrt uns dichtes Gestrüpp und der Mangroven-Wald den Weg. Wieder einmal ist Improvisation gefragt, wir winken und rufen solange bis eine Bootscrew auf uns aufmerksam wird. Die Jungs kommen aus Sao Paulo und sind zum fischen unterwegs, kurzerhand werden die Räder aufs Boot geladen und wir kommen sicher bis zum nächsten Strandabschnitt, Glück gehabt. Weiter gehts auf Sand, der Wind bläst uns beinahe vom Rad. Ein weiteres Boot bringt uns sicher zum nächsten Hafen, wir geniessen die Fahrt durch eine herrliche Mangroven-Landschaft, Delphine und exotische Papageien begleiten uns. Wir sind heilfroh am Abend wieder Asphalt unter den Rädern zu haben, ein sehr abenteuerlicher und anstrengender Tag geht zu ende.

Wir bedanken uns bei Anja Tiedge von Spiegel-Online, Anja hat einen tollen Artike über uns verfasst, hier der Link zu ihrem und weiteren Artikeln über uns.

Danke auch für die vielen lieben Kommentare via Email, Facebook, SMS, WhatsApp etc. etc., wir haben uns sehr gefreut. Auch ein möglicher Ticketsponsor hat sich inzwischen bei uns gemeldet, von DERTOUR haben wir 2×3 Tickets zugesichert bekommen, wir sind jetzt also tatsächlich live in den olympischen Wettkampfarenen.

Eine Sache wollten wir aber doch noch kurz klarstellen, da es durch den Spiegel-Artikel zu kleineren Irritationen kam: Ja, wir werden gesponsert, aber ausschliesslich mit Produkten. Das tägliche Leben, essen, trinken, eventuelle Unterkünfte, Visa, Versicherungen, Ausflüge usw. zahlen wir komplett selbst und haben im Vorfeld hart dafür gearbeitet. In unserem Radelalltag werden wir  von KEINEM Sponsor finanziell unterstützt. Bitte macht euch auch keine Sorgen um „das Rentenloch“ und „die Lücke“ in unseren Lebensläufen welche durch diese Reise entstanden sind. Es wird vermutlich das schönste Loch und die abenteuerlichste und erlebnisreichste Lücke in unserem Leben sein, danke! Probiert es aus und lebt euren Traum, es funktioniert, geniesst die grosse Freiheit, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wunderschöner Abschnitt. Berge und Buchten bringen uns zum Schwitzen.

Wunderschöner Abschnitt. Berge und Buchten bringen uns zum Schwitzen.

Weiter gehts auf dem Highway BR-116 und dem SP-055, die Uhr tickt gnadenlos, Ruhetage bis Rio können wir uns keine mehr erlauben. Der Atlantik ist jetzt wieder treu an unserer Seite, die Wellen feuern uns an und puschen uns immer weiter. Die Küstenstraße ist idyllische, aber eben auch sehr hügelig, hören die Hügel eigentlich nie auf? An die 200.000 (!) Höhenmeter haben wir auf unserer kompletten Reise bislang bewältig, die Beine schmerzen, langsam reicht es mit den Höhenmetern. Jede Bucht muss umständlich ausgefahren werden, oft denken wir „das muss die letzte Bucht gewesen sein“, aber nix da, es findet sich, bei nass-grauem Wetter, immer eine weitere und noch eine und …

Den Grossraum von Sao Paulo lassen wir überraschend schnell und problemlos hinter uns, jetzt sind es nur noch 400km und 5 Tage bis Rio! Wir übernachten in Abrisshäusern, auf Baustellen und in leerstehenden Immobilien, wir nehmen alles was sich anbietet und uns vor dem nächtlichem Dauerregen schützt. Natürlich holen wir uns von den Besitzern vorher (meistens) ein Okay.

Der Küstenabschnitt zwischen Sao Paulo und Rio ist ein Traum, die vielen Surfer-Hotspots sind sehr verlockend, aber ausser einer kurzen Mittagspause können wir uns keinen Aufenthalt erlauben, Olympia rückt immer näher und die Zeit drängt. Wir kommen wieder, nächstes mal mit mehr Zeit, im Sommer und ohne Rad.

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Nach 28.000km steht das erste Mal Rio de Janeiro auf dem Schild.

Wir machen ganz nebenbei die 28.000km voll, der letzte Tausender vor Rio, der letzte Tausender als Trio, etwas Wehmut liegt in der Luft. Noch 3 Tage bis Rio, bergauf, bergab, was machen wir hier eigentlich? Auf dem BR-101 geht es weiter, der Wald wird dichter, die Sonne kommt durch, wir fahren durch den Dschungel, grün ist die beherrschende Farbe. Das WDR-Radio, das Radio von BR2 und Radio Energy rufen an und wollen ein Telefoninterview, der Empfang ist schlecht und bricht ständig ab, trotzdem geben wir gerne Auskunft, es rauscht und rattert. Auch die Süddeutsche Zeitung meldet sich, über 60 Minuten telefoniert Julian mit dem freundlichen Reporter aus München, den  tollen Artikel findet ihr hier.

Das Fahrradfahren steht aber weiterhin an erster Stelle in unserer Tagesordnung, Sandros Pedal bricht und muss nun zum dritten Mal angeschweisst werden. Die Räder sind am Limit und brauchen dringend eine grössere Wartung, Zeit haben wir leider keine mehr, den ultimativen Härtetest von über 28.400km sollten unsere TX-1000 Maschinen allerdings noch locker schaffen und Rio am Stück erreichen.

Wir wechseln wieder das Bundesland Sao Paulo ist Geschichte und ab Tag 463 fahren wir im Staat „Rio de Janeiro“ weiter. Den Staat haben wir also schonmal gefunden, fehlt nur noch die City dazu.

Zu Fuss zu Olympia. 19.000km. Es geht immer noch verrückter...

Zu Fuss zu Olympia. 19.000km. Es geht immer noch verrückter…

330km vor Rio lernen wir Sergey aus St. Petersburg/Russland kennen. Sergey ist nun geschlagene 19.000km (!) zu Fuss von Russland nach Brasilien gelaufen um sein Land anzufeuern, Wahnsinn! Größten Respekt vor dieser Leistung. Russland ist z.T. von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden, Sergey läuft trotzdem weiter „dabei sein ist alles!“ sagt er uns und läuft weiter. Das ist wahrer, unbeugsamer olympischer Sportgeist.

Die brasilianische Polizei zeigt sich wirklich als „Dein Freund und Helfer“, die Jungs helfen uns immer gerne und besorgen hier und da sogar kostenlose und sichere Unterkünfte. Brasilien zeigt sich modern und für Touristen offen und sicher.

2 Tage vor Rio feiern wir mit Sandro seinen 33zigsten, ahhh Entschuldigung 19ten, Geburtstag, als Gäste haben wir unzählige, fiese Moskitos die uns den ganzen Tag verfolgen und um den nötigen Schlaf bringen.

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Rudi lädt uns in sein Haus ein.

Die letzte Nacht vor unserm „just-in-time“-Einlauf übernachten wir bei Rudi einem Schweizer Auswanderer. Rudis Haus liegt nur noch circa 40km von der Copacabana entfernt, „die längste Anfahrt zum Strand“  neigt sich dem Ende zu. Rudi führt uns durch seine Favela und an den Strand, dort lernen wir 2 amerikanische Olympiateilnehmer kennen, die 2 starten beim Radrennen. Auch Laura Siegmund, die deutsche Tennis-Hoffnung treffen wir am Abend zufällig am Strand. Von unserer Geschichte sind alle drei sehr beeindruckt und beglückwünschen uns zu unserem Trip.

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Markus von der ARD schiesst noch schnell ein Erinnerungsfoto.

Ja und dann ist es geschafft, wir sind die letzten 14 Tage durchgefahrenen und erreichen daher, bei herrlichem Sonnenschein, ausgepowert aber glücklich am Tag 467 und nach 28454km die Copacabana. Das Navi vermeldet kühl „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Und jetzt beginnt die Show für uns erst richtig! Über 12 verschiedene TV- und Radiosender empfangen uns an der Copa und wir werden von den Passanten beklatscht und beglückwünscht: ARD, Bayrischer Rundfunk, ARD-Radio, N24, Kabel1, ServusTV, Ö3-Radio, DPA (Deutsche Presseagentur), CNN, diverse brasilianische Sender, Peru-TV u.v.a.,  es ist wie in einem verrücktem Traum. Heiner Brand, der ehemalige Handball-Nationaltrainer, gratuliert uns persönlich und möchte die Reiseroute genau erklärt haben. Wir besuchen das Deutsche Haus und auch das Österreich Haus hier wird Freibier ausgeschenkt. Zahlreiche Passanten kennen uns bereits und fotografieren munter drauf los, wir bekommen viele Getränke spendiert von wildfremden Menschen. Richtig realisiert haben wir das alles noch nicht, es passiert soviel um uns rum. Die ARD hat uns ins Olympia-Studio eingeladen, wir sollen kommenden Sonntag, den 06.08. 8Uhr MEZ, live und in Farbe von unserer Tour berichten.

Wir hatten einen Traum und haben diesen realisiert. Wir sind zu dritt  und vor allem gesund und munter in Rio angekommen und haben damit unser gemeinsames Teamziel reicht, wir haben allen Widrigkeiten gestrotzt und haben es zusammen geschafft und auch teaminterne Differenzen überwunden. Alleine in die Welt aufbrechen kann jeder, zu zweit muss man schon mehr Kompromisse miteinander aushandeln, zu dritt gleicht diese einem täglichem Balanceakt. Wir haben es geschafft und das ist eigentlich das größere Wunder dieser einzigartigen Reise.

Erinnerungsbild mit Handball Weltmeister Coach Heiner Brand.

Erinnerungsbild mit Handball Weltmeister Coach Heiner Brand.

Entspannung ist angesagt, jetzt dürfen die „richtigen“ Athleten zeigen ob ihre Vorbereitung ideal war. Wir geniessen jetzt erst einmal Rio und den tollen olympischen Flair, die Stadt vibriert vor Energie. Julian hat bereits das erste (inoffizielle) Gold für Deutschland geholt, mit 30 Plattfüßen ist er der Plattfuß-König von Rio und verweist Sandro mit 20 Plattfüßen auf Platz 2, Nico musste nur 19 Mal seinen Reifen flicken und landet mit Bronze auf einem dankbaren 3. Platz.

Sandro tritt aus privaten Gründen bereits nächste Woche seine Heimreise an, vorher besuchen wir aber noch einige Wettkämpfe zusammen. Wir bedanken uns bei unserer „bayrischen Dampfnudel“, für eine aufregende, unvergessliche Zeit. Nico und Julian bleiben bis zum Ende der Spiele und berichten live aus Rio, mal schauen wie es danach weiter geht.

Danke für euer Interesse an unserer Tour und die Unterstützung auf der kompletten Reise.

Es war uns eine Ehre!

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro

Weitere Bilder sind in unserer Galerie zu sehen.

Brasilien II

Brasilien

Direkt nachdem unser erster Brasilien-Blog vor 2 Wochen online ging, stand  prompt eine brasilianische Zeitung bei uns auf der Matte und interviewte uns für einen Zeitungsartikel für die Lokalzeitung von Frederico Westphalen. Der junge Reporter konnte unsere abenteuerliche Reise kaum glauben und fragte immer wieder ungläubig nach ob er die Fakten, Details, Geschichten und die lange und teilweise wilde Reiseroute von über 26.000km auch wirklich richtig verstanden hat. In solchen Situationen wird uns immer wieder bewusst, dass wir hier etwas aussergewöhnliches, etwas einzigartiges mit unserer Tour meistern, vielen Menschen würde dies wohl noch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen einfallen.

Ein neues Pedal für Sandro.

Ein Ersatz-Pedal für Sandro.

Inzwischen befinden wir uns im südlichsten Bundesland Brasiliens und damit in „Rio Grande do Sul“ und sofort werden wir vor einige technische & natürliche Herausforderungen gestellt. Es liegt ein dichter Nebel über der Region, die Sicht beträgt kein 15m und von brasilianischer Hitze können wir nur träumen. Sandro klebt das Pech am Schuh bzw. am Pedal, keine 20km hinter Frederico Westphalen, unserem letzten Blog-Ort, bricht Sandros Pedal aus der Kurbel und lässt sich nicht mehr reparieren. Zu allem Überfluss hat Nico von dem ganzem Drama nichts mitbekommen und fährt weit voraus, erst am späten Abend treffen wir ihn wieder. Was nun? Mit nur einem Pedal fährt es sich einfach, gerade in der hügeligen und sehr einsamen Gegend, extrem schlecht. Wir improvisieren, ziehen und schieben Sandros Rad, Sandro fährt mit einem Bein, Sandro schiebt sein Rad, etc., etc. Nach circa 20 km kommen wir endlich an einer kleinen Werkstatt vorbei, dort erklären wir den Arbeitern in unserem holprigem portugiesisch die Situation, die Jungs sind super und nach wenigen Minuten hat Sandro ein selbstgebasteltes Pedal angeschweisst am Rad. Allerdings hält diese nur für circa 1 km und Sandros Leidensweg mit nur einem funktionsfähigen Pedal setzt sich fort. In der nächsten Stadt bekommt Sandro eine komplett neue Kurbel samt Zahnkranz, die Qualität lässt zwar zu wünschen übrig, aber der Mechaniker ist auf zack und seine Arbeit schaut recht gut aus und wir sind zuversichtlich damit die nächsten Tage durchzukommen, zu früh gefreut?

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Geschweisstes Ersatzpedal. Leider fällt es nach ca.1 Kilometer wieder ab.

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Live berichtet Nico über unsere Reise im Radio Simpatia.

Nico wurde in der Zeit vom Radio interviewt und erfährt über dieses auch von unserem Standort, etliche Anrufe gehen ein und am späten Abend finden wir uns im Pfarrhaus der kleinen Gemeinde Chapada wieder. Padre Antonio Dino ist ein wunderbarer Mensch, wir werden wie die verlorenen Söhne aufgenommen und königlich bewirtet, es wird ein bunter, fröhlicher Abend mit viel Witz & Charme. Am nächsten Tag sind wir das Gesprächsthema Nr.1 in seinem Radio-Gottesdienst, später führt uns Padre Antonio Dino aus dem Dorf, er fährt mit seinem Auto laut hupend vor uns her, ein bunter, sehr humorvoller Gottesdiener mitten auf dem Lande.

Padre Antonio und viele neugierige Kinder.

Padre Antonio Dino und viele neugierige Kinder.

Es geht also weiter mit uns dreien, Porto Alegre und damit der Atlantik ist das Ziel für die nächsten Tage. Auch in Brasilien kommen wir durch viele abgelegene Dörfer, die Menschen sind hier extrem freundlich und hilfsbereit, viele leben in einfache Häusern und in einfachsten Verhältnissen. Gerade in den abgelegenen Dörfern und ärmeren Regionen wird uns wieder klar, was für ein Glück wir haben eine solche Reise machen zu können. Viele Menschen welchen wir begegnen dürfen werden ihr Dorf, ihre Provinz nie verlassen können, trotzdem strahlen die Menschen hier oft eine unheimlich positive Lebensenergie aus.

Mit Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit sind wir auf der ganzen Reise schon reichlich gesegnet worden, aber die Brasilianer setzen einfach noch eine Portion drauf. Überall wo wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen, es regnet jeden Tag und zelten ist daher nur eine Option im Notfall, stehen uns die Türen offen. Täglich überrascht uns das Leben neu, wir werden eingeladen in Tankstellen, in Pfarrhäusern oder um in privaten Häusern zu übernachten, meistens ist das Abendessen und die heisse Dusche inklusive. Geld wird kategorisch abgelehnt, Reisenden ein Bett anzubieten gilt hier als Ehrensache. Schlechte, negative Erfahrungen in Brasilien? Nicht eine einzige!!

Der BR-386 führt uns durch eine „Maulwurfslandschaft“, Hügel rauf, Hügel runter, in unseren Pausen sind wir umringt von neugierigen Menschen und müssen für zahlreiche Fotos posieren auch das Radio wird hin und wieder extra für uns angerufen und sendet teilweise live von unserm Pausenort. Nicht nur unsere TX-1000 Räder der VSF-Fahrradmanufaktur aus Oldenburg begeistern, gerade die dazugehörige Rohloff-Schaltung fasziniert die Menschen und wir erklären, erklären und erklären das Wunderwerk mit den 14-Gängen in der Box immer wieder.

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Fritz und Frida. Typisch deutsch oder doch eher typisch bayrisch!?

Zahlreiche Menschen im Süden Brasiliens haben deutsche Vorfahren und sprechen auch nach mehreren Generation noch ein perfektes deutsch und pflegen die Bräuche ihrer Vorfahren. Unglaublich aber wahr, hier hat sogar der stolze Bayer ein Migrationshintergrund, auch wir Deutschen hatten wilde Zeiten in unserer Heimat und sind als Auswanderer oder gar als Flüchtlinge in die ganze Welt geströmt und waren froh eine neue Bleibe gefunden zu haben. Jeder der lautstark hetzerische-rechte Parolen in Deutschland oder sonst wo auf der Welt verbreitet sollte sich, gerade in der momentanen angespannten und schwierigen Zeit in welcher hilfebedürftige Menschen nach Deutschland kommen, mit unserer eigenen Geschichte befassen.

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Bei Gelson und seinen Jungs bekommen wir unser erstes Churrasco zum Abendessen.

Gelson wohnt mit seinen Söhnen Frederico und Lorenzo in einem Dorf und beherbergt uns für eine Nacht, der Metzgermeister verwöhnt und mit fleischigen Delikatessen und erzählt uns Geschichten über Land und Leute. Draussen prasselt der Regen aufs Dach und wir sind froh über eine warme, trockene Unterkunft für die Nacht. Sandros Pedal bricht wieder von der Kurbel, Gelson bringt uns zum nächsten Mechaniker, jetzt hält alles. Hoffentlich!!!

Es ist wirklich zum verrückt werden, die ganze Reise hatten wir nur sehr wenige Regentage und in Brasilien hört es dafür einfach nicht auf zu pissen. Die biblische Sintflut hat mit Sicherheit ähnlich begonnen, es ist wie die Fahrt durch einen dauerhaften Wasserfall und dieser zieht sich über mehrere Tage dahin. Falls es so weiter regnet können wir bei den olympischen Schwimmwettbewerben ohne Problem doch noch selbst teilnehmen….

Am Tag 443 und mit Kilometer 26693 erreichen wir Porto Alegre und damit den nächsten großen Teich, den Atlantik. Gute 10 Wochen haben wir von Lima/Peru und damit vom Pazifik an den brasilianischen Atlantik gebraucht und dabei über 6000km auf unseren Bikes gesessen, wieder eine einmalige Geschichte. Rauschende, tobende Wellen sind immer noch die schönste Hintergrundmusik und wir freuen uns auf die Küstenstraße am Ozean entlang.

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Klaus und Inge sind zwei wunderbare Gastgeber. Vielen Dank!

In Porto Alegre kommen wir bei Klaus und Oma Inge unter, Klaus Tante Lena aus München hat uns diesen genialen Kontakt besorgt und wir verbringen gleich 2 Ruhetage im gemütlichem aber dennoch agilen und unterhaltsamen Porto Alegre. Endlich zeigt sich auch mal die Sonne, unsere komplette Ausrüstung und nahezu die gesamte Kleidung wurde nass und muss daher gewaschen, getrocknet und wieder verpackt werden. Klaus ist ein interessanter und äusserst vielfältiger Mensch, er zeigt uns das Nachtleben der Stadt, macht mit uns Sightseeing-Touren durch die Altstadt und scheint jeden in der Millionenmetropole persönlich zu kennen. Nachdem wir uns ausgeruht haben und jedes Familienmitglied, und da gab es einige, kennenlernen durften entscheidet sich Klaus die nächsten circa 550km bis nach Florianopolis mit uns zu radeln.

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Schlafsäcke, Wäsche usw. Alles muss getrocknet werden.

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Klausinho radelt mit uns bis Florianópolis.

Klaus ist der vielleicht weisseste Brasilianer der Welt, damit wenigstens der Name brasilianische klingt entscheiden wir uns für einen Künstlernamen und damit für „Klausinho“! Wir 4 machen uns also auf den Weg, der Regen hat an Kraft und Ausdauer verloren und, oh Wunder, wir haben Rückenwind bei flacher Strecke. Wir strampeln auf der Autobahn, dem Highway 101, was die rot-weissen Schilder mit dem durchgestrichenen Fahrrad bedeuten wissen wir nicht, dafür reicht unser Portugiesisch leider nicht aus. Klausinho zeigt uns eine brasilianische Delikatesse nach der anderen, auch die zahlreichem all-u-can-eat Restaurants lassen unsere Bikinifigur wieder fülliger werden.

Pferdekutschen sind nicht erlaubt, das andere Symbol kennen wir nicht.

Pferdekutschen sind nicht erlaubt, das andere Symbol kennen wir nicht.

Brasilianer fragen anscheinend gerne nach dem „Warum?“ und damit nach dem Sinn unserer Reise. Also warum wir diese Reise machen? Mmh, schwierige Frage! Warum lesen Menschen Bücher und laufen Marathon oder interessieren sich für Sternbilder? Warum sammeln Leute Briefmarken oder züchten Hunde? Für uns spielt sich das Leben immer schon meistens draussen ab und zwar jetzt und hier. Vielleicht sammeln wir aber auch nur genügend Geschichten für unsere Enkelkinder, wer weiss. Ein plausible Antwort gibt es wohl nicht, wir könnte auch den Fragesteller mit einem „Warum nicht?“ zum schweigen bringen.

Reifenwechsel Nr.1, Nr.2 lässt nicht lange auf sich warten.

Reifenwechsel Nr.1, Nr.2 lässt nicht lange auf sich warten.

Klausinho fügt sich gleich am ersten Tag mit 2 Plattfüßen gut ins Team ein, Sandro und Nico legen allerdings schon wenige Tage später mit Nr. 19 bzw. 18 weiter vor. Am 447 Tag hat Nico seinen dritten und bislang schwersten Sturz, bei einer Abfahrt touchiert er Klaus, verliert die Kotrolle übers Rad und schlittert über den Asphalt. Wir verarzten die zahlreichen Schürfwunden noch auf der Strasse, Glück im Unglück es ist Gott sei Dank nicht mehr passiert und der Strassenbelag war in diesem Abschnitt eher glatt. Nico beisst die Zähne zusammen und macht für einige Tage etwas langsamer.

Direkt nachdem Sturz bekommen wir die wahrscheinlich bizarrste Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Julian und Klaus klopfen an einer Kirche an und bekommt die Leichenhalle als Schlafplatz für unser Quartett angeboten. Der Pfarrer überreicht uns die Schlüssel mit der folgenden furztrocknen Anmerkung:

Falls heute noch jemand das Zeitliche segnen sollte, müsst ihr halt teilen!“

Zum Leichenschmaus werden wir vom Pfarrer und seiner Gemeinde auf den „Wurstball“ in der nahen Gemeindehalle eingeladen, es wird deftig aufgetischt und eine Band spielt bayrische Blasmusik, verkehrte Welt in Brasilien. Danke und gute Nacht, die Nacht ist jedenfalls totenstill und wir schlafen wie die Engelchen. Die nächste Übernachtung in einem solchem Gebäude darf gerne noch 70 Jahre auf sich warten lassen, danke.

New York. Nein, wir sind in Brasilien.

New York. Nein, wir sind in Brasilien.

Neuer Tag, neue Strecke, neue Leute, neue Region, neuer Schlafplatz. Bei einer Reise mit dem Fahrrad gleicht kein Tag dem Andern, es kommt wie es kommt und meistens werden wir dabei positiv überrascht. Der finale Countdown läuft nun endgültig, 27.000km sind inzwischen Geschichte, Wahnsinn! Sind es tatsächlich nur noch 2 Wochen, nur noch knapp 1200 km bis Rio? Klar hängt auch bei uns manchmal der Haussegen schief und es fallen unüberlegte, böse Worte, aber im Grunde ist jeder von uns froh diese Reise zu dritt angegangen zu sein, Erlebnisse geteilt zu haben und nicht alleine durch die Weltgeschichte zu radeln.

Kurz vor Florianopolis wechseln wir das Bundesland und  radeln in „Santa Catarina“ weiter , die Sonne gewinnt nun endlich an Oberhand. Klausinho kennt viele Leute entlang der Strecke und kann so die ein oder andere tolle Übernachtungsmöglichkeit für uns abklären, die Nächte in der Natur sind noch recht frisch, daher sind wir froh über jedes kostenloses Angebot ausserhalb vom Zelt.

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Tolle Strände gibt es rund um Florianópolis.

So, jetzt sind wir also in Florianopolis (auch Floripa genannt) angekommen und geniessen „another day in paradise“ oder auch zwei, auch hier werden wir von Klaus durch die City geführt und erkunden die atemberaubende Halbinsel mit ihren zahlreichen Lagunen und traumhaften Stränden. Hier wird aus dem zwischenzeitlichen Quartett wieder unser gewohntes Trio, danke Klaus fürs mitfahren und wir sehen uns in Deutschland wieder, Tschüss Floripa!

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Noch 14 Tage bis zum Beginn der Olympischen Spiele.

Jetzt steht also der letzte Abschnitt unser gemeinsamen Reise nach Rio an, den nächsten Bericht gibt es live von den Olympischen Spielen 2016, live aus dem Herzen Rio de Janeiros. Wir freuen uns sehr auf die Stadt, nach so langer Zeit auf den Rädern sehnen wir uns aber auch auf die 18 Tage Auszeit in Rio und auf „normale“ Kleidung, einen „normaleren“ Tagesablauf…auf normale Dinge eben welche uns nach der Tour erwarten, wie lange wir das aushalten? Schau mer mal!!

Wer Lust hat findet uns unter „Trio for Rio“ auch auf Facebook, dort gibt es immer wieder kleiner Zwischenberichte und Angaben zum aktuellen Standort.

Vielleicht erbarmt sich ja doch noch ein großzügiger, edler Spender und wir können die Athleten live in den olympischen Wettkampfarenen anfeuern. Tickets werden weiterhin gerne angenommen.

Momentan deutet alles auf einen „just in time“-Einlauf zum Startschuss der Spiele am 5. August hin, es bleibt also spannend die nächsten Wochen.

Mit sportlichen Grüßen,

Julian, Nico und Sandro.

Mehr Bilder gibt es in unserer Galerie.